“Stumpfe Monotonie.
Er spürt dieser verlorenen Saat immer noch nach.”
Atemlos humpelt Filip durch den Bahnhof. Zwischen den Gleisen eine Restwildnis. In seiner Mitte ein Forsythien-Strauch. Auf einen geheimen Befehl haben sich alle seine Blüten geöffnet. Filip beachtet den gelben Abschiedsgruß nicht. Keine Zeit für Wunder. Keine Zeit für Euphorie. Sein Zug wartet auf ihn.
Auf dem Bahnsteig versperren Raucher den Weg. Durch den Zigarettendunst schlängelt er sich zu seinem Wagen. Vor dem Einsteigen verlässt ihn seine Kraft. Seine Reisetasche fällt zu Boden und dabei springt der Reißverschluss auf. Eine Socke schaut heraus, als wollte sie der Enge entfliehen. Schwankend unter großen Anstrengungen beugt sich Filip hinunter, stopft die Socke rein und schließt die Tasche. Sein linker Arm will nicht mehr. Schlaff hängt er runter. Das linke Bein verhält sich ebenfalls ignorant. Auf die rechte Seite kann sich Filip verlassen, sie funktioniert einwandfrei. Er hat sich damit abgefunden, dass er in zwei Körperhälften wohnt.
Beim Hochkommen rutscht ihm sein Rucksack von den Schultern und reißt dabei das Tweedjackett gleich mit runter. Auf diese Gelegenheit hat eine Taube mit nacktem Kopf gewartet. Der Vogel landet auf seinem Jackett und pickt die Brötchenkrümel vom Revers. Keine üppige Mahlzeit, aber die Krumen stillen ihren ersten Hunger an diesem frühen Morgen. Das Gezappel von Filips rechter Seite und die Geh-weg-Rufe irritieren das Tier, es flattert davon......
Die erste Kurzgeschichte in diesem Jahr. Dreckssonntag erzählt über eine Zugfahrt, die Kindheitserinnerungen weckt. Viel Spaß.
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